Die Angst vor dem Sprechen – Selbstbewusstsein beim Sprachenlernen

Viele kennen die peinliche Situation, wenn die Entscheidung fällt: Mutig sein, und in einer fremden Sprache antworten, oder doch lieber auf Nummer sicher gehen? Viele Lernende sind mit dieser Schwierigkeit vertraut. Besonders vor fremden Personen möchte man sich nicht blamieren – aber was dann? Eine Sprache ohne Sprechen? Die folgenden Tipps könnten vielleicht helfen, die Angst vor dem Sprechen zu überwinden und mehr Selbstbewusstsein zu erlangen. 

Gründe für Schüchternheit

Bevor man versucht, die Angst zu überwinden, sollte man verstehen, woher diese eigentlich kommt. Dies ist bei jedem anders, aber oft stecken die folgenden Gründe dahinter:

  • Schüchternheit: Viele Sprachbegeisterte lieben es, sich in die Grammatik und Dynamik der anderen Sprache zu vertiefen, während vor dem Sprechen allgemein eine scheinbar unüberwindbare Schwelle liegt.
  • Angst vor Fehlern: Sogar selbstbewusste Lernende machen sich Sorgen, sich durch auffällige Fehler zu blamieren. Wie wird die andere Person darauf reagieren? Mit einem Kommentar? Vielleicht sogar Lachen?
  • Unerfahrenheit: Gerade am Anfang fällt es schwer, Kontakte zu knüpfen. „Ich habe ja noch Zeit“, ist eine geläufige Ausrede, um das Sprechen zu umgehen. „Irgendwann, wenn ich besser bin, dann kann ich sprechen.“ Dabei merkt man später immer stärker, dass auch verbesserte Sprachkenntnisse kein Selbstbewusstsein herbeizaubern.
  • Fehlende Kontakte: Besonders beim selbstständigen Erlernen von eher außergewöhnlichen Sprachen stoßen viele Lernende auf Schwierigkeiten bei der Suche eines Sprechpartners. Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten, aber oft ist hier die Hemmschwelle noch größer.
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Mut!

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir alle Fehler machen und dass besonders Sprachfehler eher hilfreich als zu vermeiden sind. Viele Motivationssprüche drehen sich um das Thema – für manche hilfreich, für andere kitschig und realitätsfern. Dennoch kann es helfen, sich immer wieder neu Mut zu machen. Freunde, Geschwister oder Eltern stehen gern zu Verfügung, wenn die Motivation mal sinkt. Es gibt kein Rezept, Schüchternheit zu überwinden. Jeder muss es für sich herausfinden – aber niemals allein. 

Sprechfehler – ein Ziel

Fehler sorgen nur in den seltensten Fällen dafür, dass wir uns blamieren. Was sie aber immer tun, sie zeigen uns unsere eigenen Schwächen – und unser Potenzial. Es ist wichtig, Fehler zu bemerken, gerade beim Sprechen, wo man nicht schnell mit dem Radiergummi darüber gehen kann. Wenn man also das Sprechen übt, mit dem Handy-Mikrofon oder auch einem Muttersprachler, kann man sich sogar eine bestimmte Anzahl an Fehlern vornehmen, die man erreichen möchte. Natürlich ist das nur sinnvoll, wenn man sie danach verbessert, aber bevor man das Problem löst, muss man es verstehen, indem man nachfrägt oder die Aufnahme nochmal anhört. Je vertrauter man mit der eigenen Stimme wird, desto geringer wird auch dazu die Hemmschwelle. So wird aus der Analyse von Fehlern eine neue Lernmethode, die sogar über das Sprachenlernen hinaus das Selbstbewusstsein stärken kann.

Eine Frage der Atmosphäre

Wem es schwerfällt, vor fremden Leuten zu sprechen, kann es helfen, eine angenehmere Atmosphäre zu wählen. Gibt es andere Lernende in meiner Umgebung? Interessieren sich meine Freunde für die Sprache? Es kann helfen, sich zuerst mit Personen zu unterhalten, die die Sprache selbst nicht perfekt beherrschen. So fallen nicht sofort alle Fehler auf, und wenn doch, kann man darüber lachen. Auch der Partner wird sich einmal versprechen.

Mit je mehr Leuten man sich unterhält, desto eher versteht man, wie jeder individuelle Lernende seinen Weg durch alle Hindernisse gehen muss, ob es nun Angst vor dem Sprechen oder Schwierigkeiten bei der Grammatik sind. Für jede Sprache gibt es deshalb Lerngruppen und Schulen, sowie auch unsere Sprachschule Aktiv. Besonders ist hierbei auch die Möglichkeit, so tief in die Kultur des anderen Landes einzutauchen, dass das Sprechen gar nicht mehr auffällt.

Hören – Denken – Sprechen

Wie schon erwähnt kann es helfen, sich tiefer in die Kultur des anderen Landes hineinzuversetzen. Je mehr man einer Sprache im Alltag begegnet, desto leichter fällt das Sprechen. Den natürlichen Fluss einer Sprache zu verstehen, mag kompliziert erscheinen, aber durch das regelmäßige Anhören von fremdsprachigen Quellen wird unser Gehirn ganz von selbst mit der Dynamik vertraut. Podcasts und Songs stehen zahlreich zur Verfügung und das Anhören macht auch Spaß. So fällt es uns leichter, beim Sprechen natürlich zu bleiben. Wichtig ist bei der Kommunikation nämlich nicht nur die korrekte Verwendung der Sprache. Studien zeigen, dass der Inhalt des Gesagten nur 7% unserer Kommunikation ausmacht, während ganze 93% durch Körpersprache und Tonfall bestimmt werden. Auch Selbstbewusstsein ist nicht mit Perfektion gleichzusetzen, sondern vielmehr mit positiver Ausstrahlung. Am wichtigsten ist also die Freude an der Sprache!

Blog geschrieben von Anna Eberle

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